Dienstag, 13. Januar 2015

Flugschrift zu den islamistischen Massakern in Paris (Langfassung)


"When we've freed Kobane, we'll be off to Iran. It's their turn next."
Eine Brigadistin der YPG/YPJ in der BBC Reportage „Inside Kobane“

“For us women there is no difference between the Islamic Republic of Iran and Islamic State group IS. Both are nourished by animosity to women and a culture of violence. As an Iranian Kurdistan women’s defence force we will step up the struggle against this. We could set up a joint defence force with Iranian women, as Iranian women need a defence force like the HPJ. Our second goal is to bring Iranian women into our struggle ... For instance, when a woman in Iran had acid thrown in her face, she said: 'May the women of Kobanê come and defend us.'”
Axîn Maku von der Frauenselbstverteidigungsbrigade Iranisch-Kurdistans (Hêzên Parastina Jinê – HPJ)

“If the civilized world had confronted this ominous phenomenon when the ruling mullahs in Iran were promoting state terrorism and particularly when Khomeini issued the fatwa for killing Salman Rushdie in heart of Europe, the religious fundamentalism would not have expanded this much today in the Middle East.”
Eine Gruppe Oppositioneller aus der iranischen Folterhölle Gohardasht in einer Solidaritätsadresse an die Ermordeten und Hinterbliebenen des „Charlie Hebdo“-Massakers


Es bewahrheitet sich, was Sîpan Hemo, Oberkomandierender der Selbstverteidigungsbrigaden Syrisch-Kurdistans (Yekîneyên Parastina Gel – YPG, Yekîneyên Parastina Jin - YPJ), über das Verhältnis der Islamischen Republik Iran zum "Islamischen Staat" geäußert hat. Die Interessen der khomeinistischen Despotie Iran charakterisiert Sîpan Hemo als Strategie einer weiteren Eskalation des konfessionellen Konflikts. Sie verfolge mit ihr, sich als Souverän des schiitischen Halbmondes, der sich vom Iran über den Irak bis zum Südlibanon erstreckt, zu installieren. Da'ish, so das arabische Akronym für den „Islamischen Staat“, fungiere dem Iran hierbei als sunnitischer Komplementär. Inzwischen ist die multikonfessionelle Irakische Armee weitgehend ausgehöhlt durch iranhörige Todesschwadronen der Shiah. Wo diese - Asa’ib Ahl al-Haq, Kata’ib Hezbollah, Badr Brigade - herrschen, terrorisieren sie nicht nur die verbliebenen Sunniten wie anderswo Da'ish Anders- und Nichtgläubige. Mit äußerster Brutalität verfolgen sie alle, die als lebende „Beleidigung des Islam“ identifiziert werden: vermeintliche Homosexuelle, unverschleierte Frauen, junge Liebespärchen, êzîdîsche und christliche Spirituosenverkäufer. Der Irak - mit Ausnahme Südkurdistans - ist weitflächig aufgeteilt zwischen Da'ish und der khomeinistischen Despotie, zwischen den brutalsten Varianten der zwei großen islamischen Konfessionen ahl as-sunna („Volk der Tradition“) und Shiah („Partei Alis“). Für das von ihr gehaltene Assad-Regime rekrutiert die khomeinistische Despotie irakisches, libanesisches und afghanisches Frontvieh, während im Schatten des „Islamischen Staates“ Aleppo und Idlib unter Fassbomben eingegraben werden.

Das perfide Kalkül der khomeinistischen Despotie ist aufgegangen. Denn nicht nur, dass mit ihrer engen Einbindung in die „Internationale Allianz“ gegen Da'ish jene Despotie rehabilitiert wurde, die seit Anbeginn ihrer Existenz eine Variante des Islam nach innen konserviert und nach außen exportiert, die dem „Islamischen Staat“ am ähnlichsten ist: Saudi-Arabien. Nicht nur, dass noch jene Shariah Firma, welche von Libyen über Ägypten bis nach Syrien Islamisten finanziell beikommt, in die Koalition einbezogen ist: Katar. Wird nun darüber hinaus auch noch die schiitische Variante von Daʿesh, die Islamische Republik Iran, als wesentlicher Stabilitätsgarant des Mittleren Ostens beschworen. Jüngst traf Niels Annen (sozialdemokratisches MdB) im Iran Ali Akbar Velayati und sprach mit ihm über beidseitige Interessen in Syrien und dem Irak. Bei Mehrnews, eine Regimeagentur, heißt es dann so: „'This special cooperation could be in regard to combating terrorism, and the Islamic Republic has already exploited its full capacity and capabilities in this regard and will take all the necessary steps to fight terrorism,' said Velayati ... Annen also touched upon the threat of ISIL and said, 'Iran and Germany share common concerns especially over regional issues such as ISIL, Syria and Iraq. We are hoping to further consultations by exchanging ideas on these serious issues.'“ Velayati, so die makabre Szenerie, wurde von einem deutschen Gericht 1997 als einer der Initiatoren des Massakers im Restaurant „Mykonos“ in Berlin-Wilmersdorf am 17. September 1992 genannt, bei dem der Generalsekretär der Partiya Demokratîk a Kurdistana Îranê (PDK-I) Sadegh Sharafkandi sowie die Oppositionellen Fattah Abdoli, Homayoun Ardalan und Nouri Dehkordi ermordet worden sind. In der argentinischen Justiz wurde 2013 ein Haftbefehl gegen Velayati gefordert für seine Verstrickung in ein antisemitisches Massaker in Buenos Aires mit 85 Toten. Die Charaktermasken aus der deutschen Politik waren zunächst peinlichst bemüht, die Handschrift des khomeinistischen Regimes an der Hinrichtung der Exil-Oppositionellen in Berlin zu verwischen. Im Jahr eins nach den Morden wurde neben Velayati ein weiterer Mykonos-Verschwörer nach Bonn und Pullach eingeladen. Ali Fallahijan, der mit dem VEVAK jenem Ministerium vorsaß, in dem Spionage, Repression und straatsterroristische Aktionen (auch außerhalb des Irans) gebündelt sind, hoffte auf Informationen über geflüchtete Regimekritiker. Dass diese ihm auch ausgehändigt wurden, bestritten die Deutschen, die wenige Monate zuvor nach Teheran gekommen waren. Zumindest zu Beginn der 1980er war es noch deutsche Realität, dass zur Identifizierung kritischer Exil-Iraner, die bei Protesten inhaftiert wurden, die Schergen aus den diplomatischen Repräsentanzen der khomeinistischen Despotie herangezogen wurden. Die Namen der Regimekritiker wurden alsdann im Iran veröffentlicht, ihre Familienangehörigen bedroht.

Da die khomeinistische Despotie den repressiven und ideologischen Zugriff auf die zu hunderttausenden Exilierten nicht verlieren und auch sie nur überleben kann, wenn sie den Imperativen kapitalistischer Reproduktion gehorcht und zu diesem Zweck, gezwungen ist, politische wie ökonomische Kontakte zu pflegen, hält sie sich dort eine repräsentative Adresse, wo die deutsche Kollaboration mit der khomeinistischen Despotie ihren Nabel hat, dort wo Ayatollahs Staatsverträge schließen. Die erste deutsche Adresse der Islamischen Republik Iran ist nicht die der Ambassade zu Berlin, sie ist die des „Islamischen Zentrums Hamburg“ (im folgenden: IZH). Hier residiert Ayatollah Reza Ramezani, der offizielle Stellvertreter von Ali Khamenei. Und hier befindet sich auch eine Hawza im Geiste der Ayatollahs, die Islamische Akademie. Es ist Ali Khamenei höchstpersönlich, der jüngst das Studieren an dieser schiitischen Variante der Madrasa zur „kollektiven Pflicht“ erhob. Großayatollah Makarem Shirazi weicht nur dahingehend ab, dass er von „einer individuellen Pflicht“ spricht. Mit beiden Fatwas wirbt die Islamische Akademie für sich. Shirazi ist einer jener Kleriker, die im Jahr 2012 eine Todesfatwa gegen den exiliierten Musiker Shahin Najafi aussprachen. Er machte die „religiöse Verpflichtung“ der Muslime darin aus, jede Verächtlichmachung der „keuschen Imame“ sei als Apostasie zu ahnden, also mit dem Tod. Najafi hatte zuvor in einem Song über die okkultistische Ideologie um die Imame der Zwölfer-Shiah gespöttelt. Die Mordaufrufe kursierten auch in den deutschen Repräsentanzen der Islamischen Republik Iran, etwa im Münchener Konsulat, shia-online.ir dotierte das Kopfgeld auf 100.000 Dollar. Der inzwischen selbst verstorbene Großayatollah Mohammad Fazel Lankarani, bei dem der IZH-Vorsitzende Ramezani in Lehre ging, war verantwortlich für eine weitere Todesfatwa gegen den aserbaidschanischen Autor Rafiq Tağı, der am 23. November 2011 in Baku ermordet worden ist. Tağı, so der Kleriker, habe den „Propheten Mohammed” beleidigt. Im Moment droht Sohail Arabi, der auf Facebook Mohammed beleidigt habe, die Hinrichtung. Auch im Rächen verletzter religiöser Gefühle konkurriert die khomeinistische Despotie mindestens auf Augenhöhe mit ihrer sunnitischen Konkurrenz.

Dem IZH zufolge ist der Imam Khomeini, Gründervater der Islamischen Republik, eine „großartige Quelle der Nachahmung“. „Sein Denken und Wirken“ hatten „einen göttlichen Duft, und die Kraft und Beständigkeit seines Weges und seiner Gedanken entsprangen den gnostischen und spirituellen Dimensionen seines Charakters.“ Dieser „göttliche Duft“ liegt vor allem auch über den Folterhöllen der khomeinistischen Despotie, in Evin, Gohardasht, Kahrizak, er liegt über den Gräbern der in Massen Verscharrten. Im Jahr 1988 – während der letzten Zuckungen der Menschenschlacht mit dem Irak Saddam Husseins - erließ Khomeini eine Anordnung, in der er anbefahl, über diejenigen Inhaftierten, die „auf ihrer zwieträchtigen Meinung beharren“, als Abtrünnige zu richten. „Mitleid mit den Feinden des Islam ist Naivität“, so Khomeini in seinem Todesdekret, auf dem die Hinrichtungen tausender Dissidenten folgte. „Zögern“ hieße, „das reine, unbefleckte Blut der Märtyrer zu ignorieren.“ Allein in der elektronischen Datenbank Omid: a Memorial in Defense of Human Rights finden sich die Namen - sowie Ergänzungen zur politischen Identität - von 3.803 Menschen, die im Jahr 1988 hingerichtet worden sind. Andere sprechen von weiteren bis zu 12.000 Ermordeten. Das ist der authentische „göttliche Duft“ Khomeinis: der Duft der eitrigen Wunden der von Folter Geschundenen, der Duft der Exkremente in den zugestopften Todeszellen, der Duft des Schweißes der Hinrichtungskommandos.

Am vergangenen Wochenende lud das IZH zur 5. Einheitskonferenz wider der Islamkritik. Eröffnet wurde die Konferenz von Ayatollah Ramezani und Mustafa Yoldaş. Der eine in Vertretung von Imam Khamenei, der andere als Funktionär von Milli Görüş, jener antilaizistischen Erweckungsbewegung des politischen Islam in der Türkei, deren „Reformflügel“ das Regime des Kalifen Tayyip Recep Erdoğan ist. Aus dem Milieu von Milli Görüş sind auch die vielen türkischen NGOs, die den islamistischen Totengräber der syrischen Opposition - Ahrar ash-Sham, Jabhat al-Nusra, Da'ish - logistisch und propagandistisch beikommen. Yoldaş war bis zu ihrer gerichtlich erzwungenen Abwicklung Vorsitzender der deutschen Filiale der Yardım Vakfım alias İHH. Die türkische Mutterorganisation rekrutiert, etwa Özgür Politika zufolge, hunderte von jungen Männern für Syrien. Mindestens ein Kader der İHH ist für die Jabhat al-Nusra als Märtyrer gestorben. Beide, der Ayatollah und der Milli Görüş-Funktionär, müssten eigentlich Todfeinde sein, schließlich schwieg auch am 10. Januar der Tod an der syrischen und irakischen Front nicht. Doch ihre Funktionen liegen anderswo als darin, die Positionen der khomeinistischen Despotie (und somit die des Assad-Regimes) einerseits und die der türkischen Muslimbrüder andererseits in der syrischen Hölle einzuhalten. Die deutschen Filialen der khomeinistischen Despotie und der türkischen Muslimbrüder sind staatstragend im doppelten Sinne, sie fungieren weniger im mittelöstlich fokussierten geopolitischen Interesse ihrer Regime als viel mehr im konkreten Interesse der deutschen Kollaboration mit jenem organisierten Islam. Sie sind beiderseits zur Staatsloyalität angehalten - und darin liegt auch begründet, dass die khomeinistische Despotie seit 1993 der Hinrichtung exilierter Oppositioneller in Europa entsagt und den deutschen Apparaten dahingehend auch Garantien gegeben hat. Die penetrant vorgetragenen Distanzierungen der Islamischen Republik Iran, der Hezbollah und selbst der Hamas sind nicht den Toten und Hinterbliebenen des Massakers von Paris gewidmet. Mit ihnen versichern sie den europäischen Souveränen, sich an die stille Abmachung zu halten, nicht innerhalb Europas zu morden. Während Saudi-Arabien den Franzosen kondoliert, peitscht es am darauffolgenden Tag Raif Badawi aus, ein Libertärer, dessen Islamkritik mit 1000 Peitschenhieben und 10 gestundeten Lebensjahren gekontert wird. Während in der deutschen Dependance der khomeinistischen Despotie mehr „kultureller Dialog“ eingefordert wird, verhaftet das Regime im Iran die junge Karikaturistin Atena Faraghdani, die nun in Haft ausharrt, weil sie den Imam Khamenei beleidigt und Paramilitärs und Staatsorgane karikiert hätte. Einen Tag vor dem Massaker in Paris richtete es in Urmiye Sabir Moklid Moane, einen Oppositionellen aus Iranisch-Kurdistan, aufgrund von „Feindseligkeit gegen Gott“ (moharebeh) hin.

Khomeinisten und Milli Görüş treten hierzugegen zweckvereinigt als Schura (nach shūrā: „Beratung“) auf. Hinzu kommen einige andere Moscheen wie die der Hizbullahî Kurdî, einer Konterguerilla, die in den 1990ern tausende Oppositionelle ermordet hat. Seit den Attacken auf Kobanê tritt diese Partei Allahs wieder als Repressionsorgan des türkischen Staates auf. In Amed und Cizîr töteten sie Protestierende. Aussagen des oppositionellen Parlamentariers Demir Çelik zufolge hätten sich zudem 2000 Angehörige der Hizbullahî Kurdî in Syrien und dem Irak Daʿish angeschlossen. In der Hamburger Vahdet Moschee wurde jüngst Hüseyin Velioğlu, dem Gründer dieser Todesschwadrone, gedacht.

Mit Anbeginn des Importes von Menschenmaterial aus Anatolien, das hemmungsloser als das autochthone aufgerieben wurde, weil es als unumstößlich galt, dieses alsbald wieder abzuschieben, installierte sich der nationalisierte Islam als sozialer Repressionsapparat. In der Fabrik garantierte die deutsche Direktion den Salāt, das rituelle auf die Kniefallen, solange dieses davon abhielt, sich gegen die Despotie der Fabrik zu erheben. Es waren Graue und Grüne Wölfe aus dem Milieu der ultranationalistischen Milliyetçi Hareket Partisi und von Milli Görüş die jedes soziales Aufbegehren als „unislamisch“ und „jüdisch infiltriert“ denunzierten und verfolgten und sich auf das komplizenhafte Augenzwinkern des deutschen Souveräns verlassen konnten. Als am 5. Januar 1980 in Berlin-Kreuzberg der Kommunist Celalettin Kesim ermordet wurde, gestand das Gericht dem Mörder, einem Agitator aus der nahen Milli Görüş-Moschee in der Skalitzer Straße, zu, dass er „seiner ganzen Ideenwelt“ entsprechend geglaubt habe, das Richtige zu tun. Aus Mord wurde Landfriedensbruch. Die Milli Görüş-Moschee in der Skalitzer Straße existiert bis heute, sie ist organisiert in der Islamischen Föderation Berlin, die vom deutschen Souverän die Verantwortung für den Unterricht im Islam zugetragen bekam.

Es war zunächst vor allem diese antikommunistische Funktion, die der politische Islam so präzise einzunehmen vermochte wie nur wenige andere Ideologien. Doch noch 1979 war die Beschwichtigung gegenüber der faschistischen Kontrarevolution der Ayatollahs im Iran und die Kollaboration mit der feudalen Reaktion in Afghanistan nicht allein auf kühles Kalkül herunterzubrechen. An der Bande zwischen Ayatollah und Brüllvieh, an der Grobschlächtigkeit bärtiger Antikommunisten faszinierte der Kniefall des Knechtes aus Inbrunst, das Opfer für einen höheren „göttlichen“ Zweck, also die authentische Überführung der Totalität des Kapitals, in der die autistische Selbstverwertung des Wertes sich selbst widersinniger Zweck ist, in die Sphäre des religiös Absoluten. Während die Aggression Europas gegen die suspendierte Gattung innerhalb und außerhalb seiner Grenzen unzählige Geflüchtete in den Tod drängte und nach wie vor drängt, wurde der Islam der Herrschenden diesem Europa, das Geflüchtete zwingt, sich unter das Chassis eines LKWs zu klemmen, zum Sakrileg. Der einzige Antirassismus, der im Europa der Push backs und nächtlichen Abschiebekommandos zu haben ist, ist eben nicht die Garantie auf ein menschenfreundliches Exil, er ist die Einfühlung in die Ideologien und Apparate derer, die am perfidesten morden.

40 Prozent der rassistischen Angriffe trifft Juden, die aber unter den Franzosen nur ein Prozent ausmachen. Von der Ermordung Ilan Halimi im Februar 2006 über das Massaker an dem jüdisch-orthodoxen Collège in Toulouse im März 2012 und im Brüsseler Jüdischen Museum im Mai 2014 bis zu dem Pogrom im Pariser Banlieue Sarcelles im Juli 2014 und den Morden von Porte de Vincennes im Januar 2015 sind es Juden, die im frankophonen Europa wie Roma in Osteuropa um ihr Leben fürchten müssen. Viele der ersten oder zweiten Reaktionen auf das Massaker in Paris ähneln sich darin, dass der Islam zum eigentlichen Opfer erhoben wird - als hätten die Mörder nur zufällig religionskritische Karikaturisten und Juden aufgesucht. In Hamburg warb die Journaille mitleidsvoll für die Einheitskonferenz unter dem Antlitz Ayatollahs Khomeini. Es ginge um „Gegenstrategien“ gegen „die aktuellen Anfeindungen“. Die „taz“ bat dazu, Katajun Amirpur, Professorin für „Islamische Studien“, zum Gespräch. Sie bringt „die theologische Ressourcen“ - ja, welche: etwa die der Ayatollahs Shirazi und Lankarani - in Anschlag gegen salafistische Rowdys. Wenn sie sich in die Faschisierung jugendlicher Muslime einfühlt, die, so Amirpur, radikalisiert werden, weil in der Konkurrenz um die wenigen Funktionsstellen diskriminiert wird, wer „Yüksel heißt und nicht Müller“, muss es wie eine bösartige Verhöhnung für Zineb El Rhazoui, marokkanischstämmige Redakteurin von Charlie Hebdo und Überlebende des Massakers, und Mustapha Ourrad, ermordeter algerischstämmiger Korrektor der Karikaturisten, und alle anderen sein, die auf selbst erfahrende rassistische Aggression mit kosmopolitischer Solidarität kontern und nicht damit, sich an dem Leben anderer und allem, was noch irgendwie an die Möglichkeit von individuellem Glück erinnert, zu rächen.

Die Selbstverteidigungsbrigaden Syrisch-Kurdistans YPG/YPJ forderten monatelang konkrete Solidarität ein und erinnerten daran, dass sie die menschliche Gattung und nicht sich allein verteidigen. Einer der wenigen, der dies wusste, war der am 7. Januar in Paris ermordete Stéphane Charbonnier alias Charb. Er schrieb in einer seiner Kolumnen: „Les Kurdes nous défendent tous“, „die Kurden verteidigen uns alle“. "Je suis Charlie" kann nur konkret gemeint sein als Solidarität mit Menschen wie jenen, die den Feinden des Glückes entschlossen widerstehen. Menschen wie Atena Faraghdani und Saman Naseem, dem die Folterschergen der khomeinistischen Despotie zunächst Finger und Fußnägel herausrissen, bevor er eine Beteiligung an einer militanten Aktion gegen die Revolutionsgardisten des Regimes gestand. Ein islamisches Gericht in Mahabad befand ihn schuldig, "feindselig gegenüber Gott" zu sein. Ihm droht als nächstes die Hinrichtung.

"As the editor of Charlie Hebdo magazine, Stephane Charbonnier (Charb) had earlier mentioned in one of his writings, we the People’s Defense Units (YPG) are not only defending our land, rather we conduct an honorable resilience against a dark force which is trampling on human values ... Against the dark forces not only in word, but in practice and action a rigorous struggle must be conducted."
Das Generalkommando der YPG in Kobanê


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